
Steffi & Wolfgang
Wir sind Steffi und Wolfgang – zu zweit an Bord, ohne weitere Crew. Segeln haben wir uns selbst beigebracht: mit drei Booten, vielen Abenteuern und so manchem Fehler unterwegs. Hier erzählen wir, wie aus einer spontanen eBay-Auktion unser Traum vom Segeln um die Welt wurde.
Unsere Geschichte
Wie alles begann
Angefangen hat alles an Silvester 2016, mit leicht angetrunkenem Kopf und einem Klick bei eBay. Für 3.000 Euro haben wir ein Schiff ersteigert: die Udinja, 9,40 Meter lang, ein Eigenbau vom lieben Eduard. Sie lag in Porta Westfalica an der Weser.
Wir haben sie für die Überführung fertig gemacht und sind über Weser, Mittellandkanal und Dortmund-Ems-Kanal in den Rhein gefahren, dann über die IJssel ins IJsselmeer bis nach Lelystad. Dort war für die nächsten anderthalb Jahre unser Heimathafen.
Segelerfahrung hatten wir keine. Also haben wir es uns selbst beigebracht, mit viel Ausprobieren und so manchem Fehler. Die Udinja war eigentlich das perfekte Boot für uns, nur hatte Wolfgang mit seinen 1,90 Metern keine Stehhöhe. Also musste ein größeres Schiff her.
Gefunden haben wir eine Compromis 999 in England. Sie war nur auf dem Lake Windermere gesegelt worden und hatte noch nie Salzwasser gesehen. Einen Namen hatte sie auch nicht, wir haben sie „Läuft“ getauft. Navigationslichter, Funk, AIS: Alles mussten wir nachrüsten. Im Mai 2018 ging es dann von Kingston upon Hull über die Nordsee nach Den Helder, unter schwersten Bedingungen. Die letzte Seemeile mussten wir uns nach einem Motorausfall, Problemen mit den Segeln und bei sehr starkem Wind von der niederländischen Seenotrettung KNRM reinschleppen lassen.
Abschied von der Udinja
Auf unserer letzten Fahrt mit der Udinja ist uns in IJmuiden jemand ins Schiff gefahren. Eine Reparatur lohnte sich nicht mehr, und so haben wir sie schweren Herzens dem Hafenmeister überlassen, der sie noch retten wollte. Was aus ihr geworden ist, wissen wir leider nicht. Um die Udinja tut es uns bis heute leid: Mit ihr haben wir unsere ersten großen Erfahrungen gemacht, und sie hat uns zusammengeschweißt.
Mit der „Läuft“ nach Süden
Mit der „Läuft“ ging es weiter. Wir haben die verschiedensten Häfen am IJsselmeer und am Markermeer abgesegelt und uns schließlich auch auf die Nordsee getraut, außen um Texel herum und zurück nach IJmuiden.
2019 wurde es uns am IJsselmeer dann zu kalt. Also haben wir den Mast gelegt und die „Läuft“ ab dem 13. April auf dem Wasserweg quer durch Frankreich gebracht: durch 205 Schleusen vom IJsselmeer bis ans Mittelmeer, immer in Etappen von zwei Wochen. Freunde und Familie waren mit an Bord, haben uns begleitet, mitgefiebert und uns immer wieder zum Boot gebracht. Die erste Station war Toul, die zweite Sète. Dort wurde der Mast wieder gestellt, und die „Läuft“ bekam neue Segel.
Ganz ohne Hindernisse ging es auch diesmal nicht: Die Brücken in Sète, die man vom Binnenwasser aus passieren muss, um aufs Mittelmeer zu kommen, waren defekt. Aber auch das haben wir geschafft. Im August 2019 sind wir in Valencia angekommen, und das war für die nächsten Jahre unser Heimathafen.
Ein Traum wird konkret
Von Valencia aus haben wir in den folgenden Jahren die Balearen erkundet: Ibiza, Formentera, Mallorca. Mit jeder Tour merkten wir, dass uns auf der „Läuft“ etwas an Komfort fehlte. Im August 2020 haben wir deshalb unterwegs eine Liste geschrieben: So müsste unser Traumboot aussehen, falls wir uns irgendwann noch einmal eines kaufen.
Wolfgangs Traum war schon seit Jahrzehnten, lange vor dem ersten Bootsführerschein, einmal einen Katamaran zu besitzen und damit um die Welt zu segeln. Mit diesem Traum hat er Steffi angesteckt.
Das Schiff hat uns gefunden
Auf dem Rückweg von Formentera nach Valencia zwang uns schlechtes Wetter, in Moraira an der spanischen Küste Schutz zu suchen. Man wies uns einen Liegeplatz zu, direkt vor einem großen Katamaran. Wir standen davor und sagten nur: „Boah, wow, was ist das für ein Schiff?“ Es war die ME.
Am nächsten Morgen, auf dem Weg zur Dusche, sah Wolfgang an der Luke ein Schild: „Se vende“, zu verkaufen, mit einer deutschen Handynummer. Er hat es fotografiert, sich aber zunächst nicht getraut anzurufen. Erst ein paar Tage später in Dénia hat er sich ein Herz gefasst. Am Telefon war Daniel, sehr freundlich: „Kommt einfach vorbei und schaut sie euch an.“ Zwei Tage später sind wir mit dem Mietwagen von Valencia zurückgefahren und haben uns die ME angesehen. Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Man könnte sagen: Nicht wir haben das Schiff gefunden, sondern das Schiff uns.
„Ich liebe dieses Boot“
Die Gespräche wurden konkreter, doch ein paar Fragen mussten erst geklärt werden. Von einem 10-Meter-Einrumpfboot ohne Bugstrahlruder auf einen 15-Meter-Katamaran umzusteigen, ganz ohne Katamaran-Erfahrung, war schon wieder ein gewagter Schritt. Steffi hatte Bedenken, ob sie so ein großes Boot handhaben kann. Wolfgang wollte deshalb ein einwöchiges Katamaran-Skippertraining auf den Kanaren buchen.
Als Daniel davon hörte, lud er uns ein, das Training direkt auf der ME mit ihm zu machen: Wenn alles passt, hätten wir auf unserem zukünftigen Boot trainiert, und wenn nicht, hätten wir wenigstens eine schöne Woche gehabt. Daniel und Annette haben uns sogar bei sich wohnen lassen. Sie waren unglaublich gastfreundlich, und es wurde eine perfekte Woche.
Am dritten Tag, Steffi manövrierte die ME inzwischen deutlich besser als Wolfgang, fragte er sie: „Und, wie gefällt dir das Boot?“ Ihre Antwort: „Ich liebe dieses Boot.“ Damit war die Sache für uns klar.
Die ME lag damals in Alicante. Dort haben wir sie von einem Gutachter prüfen lassen. Die gefundenen Mängel waren kaum der Rede wert, technisch und von der Pflege her war alles in Topzustand.
Übergabe mit Überraschung
In den Osterferien 2021 ging es mit unserer Tochter Lara und ihrer Freundin in den Segelurlaub, wegen Corona mit dem Auto. Vom neuen Boot wussten die beiden nichts. Als wir an Valencia vorbeifuhren, wurden sie langsam skeptisch: Wo geht es denn jetzt hin? Die Überraschung war groß. In der Woche vor Ostern haben wir die ME in Moraira übernommen und sind unsere erste Tour gemeinsam nach Valencia gesegelt.
Eine Zeit lang lagen dort dann zwei Boote von uns im Hafen: die „Läuft“ und die ME. Die „Läuft“ haben wir einem Makler übergeben, der für sie einen neuen Eigner gefunden hat.
Fortsetzung folgt …
Unser Boot: ME
ME ist ein Katamaran vom Typ Privilege 495 – seit Ostern 2021 unser Zuhause auf dem Wasser.

An Bord
- Wassermacher (Dessalator, 160 Liter pro Stunde)
- Generator, Solarzellen, Windgenerator und Wellengenerator (Watt&Sea)
- Tauchkompressor
- Internet über Starlink
