Am 26. September 2022 gegen 18 Uhr fiel unser Anker in der Bucht zwischen La Graciosa und Lanzarote – nach einer traumhaften Überfahrt von Gibraltar. Lanzarote sollte für das nächste halbe Jahr unsere Heimat werden: Im Hafen von Puerto Calero haben wir die ME festgemacht.

Auf den ersten Blick wirkt Lanzarote karg: schwarze Lava, kaum Grün, dazwischen weiße Häuser und ein riesiger Himmel. Doch je länger wir blieben, desto mehr hat uns die Insel mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten gepackt.
Alle Sehenswürdigkeiten abgehakt
Die Feuerberge im Timanfaya-Nationalpark, die Werke von César Manrique, die Weinfelder von La Geria und der Markt in Teguise: Wir haben uns alles angesehen, was die Insel zu bieten hat.
Wie aus Fendern eine Freundschaft wurde
In Puerto Calero hatte man uns am Seitensteg in der Gasse festgemacht. Damit uns niemand ins Boot fährt, hingen unsere Fender auf der Backbordseite nach außen, also zum Hafenbecken hin.
Nach zwei, drei Wochen lief ein deutsches Schiff ein. Am Steuer: Siggi – nicht zu verwechseln mit unserem Siggi aus Lelystad –, der auf Lanzarote eine Segelschule betreibt. Wir hörten ihn zu seiner Crew sagen: „Guck mal, die haben die Fender draußen – das heißt, wir dürfen bei denen im Päckchen liegen. In Holland ist das so üblich!“ Wir riefen nur: „Klar, kein Problem!“ Siggi war ziemlich überrascht, dann kam er mit der ganzen Crew an Bord, und bei ein paar Bierchen entstand eine richtig gute Freundschaft.
Seitdem haben wir viel zusammen unternommen, sind gemeinsam gesegelt und haben durch ihn viele nette Menschen kennengelernt. Unvergessen bleibt ein Tag vor Anker an den Papagayo-Stränden: Siggi führte uns seine Kartoffelkanone vor. 300, 400 Meter weit flogen die Kartoffeln, und wir hatten jede Menge Spaß.
Über Siggis Segelschule haben wir auch viele seiner Crews kennengelernt, die bei ihm ihren Segelschein machen – da waren einige wirklich nette Kontakte dabei. Der schönste war Bernhard: Er nimmt Segelprüfungen ab und lebt selbst auf La Gomera. Ein unglaublich belesener Mensch, mit dem Wolfgang so manchen Abend in langen Gesprächen über Gott und die Welt verbracht hat. Und nicht zu vergessen Horst und Christine, die uns viele schöne Ecken von Lanzarote gezeigt haben.
Weihnachten in der Sonne
Weihnachten haben wir in diesem Jahr ganz ungewohnt verbracht: in kurzen Hosen und bei Sonnenschein auf Lanzarote. Ganz ohne Weihnachtsstimmung ging es aber nicht – Steffi wünschte sich einen Weihnachtsmann an Bord. Und zwar nicht irgendeinen: Drei Meter groß thronte er vorne auf unserem Trampolin und grüßte den ganzen Hafen.


Ankerbuchten und Ausflüge
Zwischendurch mussten wir immer wieder nach Hause – wir haben ja noch unseren Betrieb in Deutschland. Aber wann immer wir auf der ME waren, sind wir losgezogen: Wir haben vor der kleinen Isla de Lobos geankert und die Insel erkundet, waren im Hafen von Arrecife und immer wieder an unseren geliebten Papagayo-Stränden.
Ein Abstecher nach Süden – und zurück
Im Februar 2023 wollten wir endlich auch andere Inseln kennenlernen. Wir sind die Ostküste von Fuerteventura hinuntergesegelt – und dabei hat Wolfgang zum ersten Mal in seinem Leben einen Thunfisch geangelt. Der Stolz war natürlich riesig!

In Gran Tarajal haben wir Steffis Geburtstag gefeiert und sind von dort hinüber nach Gran Canaria gesegelt, nach Las Palmas. Nach einer Woche ging es aber noch einmal zurück nach Lanzarote.
Die Nachtfahrt zurück hatte es in sich: schwerer Sturm und dazu Calima, der rötliche Sandstaub aus der Sahara. Vor der Marina Rubicon mussten wir mehrere Stunden bei 35 bis 40 Knoten Wind abwettern. Erst als es morgens hell wurde, haben wir uns getraut, in den Hafen einzulaufen. Dort haben wir dann Wolfgangs Geburtstag gefeiert – mit Calima, aber trotzdem richtig schön. Die Marina Rubicon ist einfach immer wieder ein Erlebnis.
Nach ein paar Tagen ging es zurück nach Puerto Calero.
Männertörn mit Michi und Norbert
Am 12. März 2023 stach Wolfgang mit seinen Freunden Michi und Norbert für eine Woche in See. Eigentlich sollte es von Puerto Calero nach La Graciosa gehen – den Liegeplatz hatten die drei schon über Puertos Canarios reserviert. Doch Michi wurde seekrank, also wurde der Törn abgebrochen, und sie liefen in den Hafen von Arrecife ein. Nach ein paar Tagen ging es zurück, an Puerto Calero vorbei zu den Papagayo-Stränden und weiter in die Marina Rubicon. Dort verbrachten sie noch ein paar schöne Tage, bevor sie wieder in Puerto Calero festmachten.
Michi hatte am ersten Tag ohnehin kein Glück: Gegen die Seekrankheit setzte er sich oben aufs Cockpitdach in die Sonne. Bei seiner sehr hellen Haut hatte er sich zwar überall gut eingecremt – nur die Füße vergessen. Abends in Arrecife waren die feuerrot, er konnte kaum noch laufen und hatte noch drei, vier Tage „Spaß“ daran.
Und dann war da noch die Sache mit den Flipflops: Norbert hatte keine dabei. In Puerto Calero lotsten die anderen ihn in einen Laden und kauften ihm die hässlichsten Flipflops, die sie finden konnten – natürlich mit der festen Versicherung, dass sie super aussehen. Kaum hatte er sie an, wurde nur noch darüber gelästert. Irgendwann warf Norbert sie entnervt weg. Wolfgang fischte sie heimlich wieder aus dem Müll – und zu seinem 60. Geburtstag bekam Norbert sie feierlich geschenkt.
Bier gab es auf diesem Törn reichlich – so reichlich, dass Norbert in der Marina Rubicon zur Abwechslung mal einen Sangria trinken wollte. Also ab in eine Bar, Sangria bestellt, Karaffe geleert. Erst dann fiel unser Blick auf den Boden der Karaffe: dreckig, verschmiert und voller Schleim. Uns allen wurde schlagartig anders. Seitdem gilt an Bord eine eiserne Regel: kein Sangria mehr!
Bis April sind wir dann noch auf Lanzarote geblieben. Erst dann hieß es endgültig Abschied nehmen: Wir segelten wieder nach Las Palmas – und blieben dort eine ganze Weile. Aber das ist eine Geschichte für den nächsten Logbuch-Eintrag.























